Twitter ist mein persönliches Highlight unter den Sozialen Netzwerken. Ich nutze es täglich, um mich über das Weltgeschehen und die Leben vieler anderer Menschen zu informieren - und gebe von Zeit zu Zeit auch selbst meinen Senf zu bestimmten Themen ab.

Doch das funktioniert leider nicht immer sehr gut, und öfter als nicht sind andere Twitternutzer_innen dafür mitverantwortlich. An und für sich ist Twitter nämlich bereits inhärent und konzeptionell Barrierefrei: Eine Registrierung bei Twitter ist wirklich einfach und schnell erledigt und Postings müssen kurz und knapp gehalten werden, um die wichtigsten Informationen zu übermitteln. Twitter ist mehrsprachig und erlaubt deshalb die Verwendung von Unicode-Zeichen wie Emoji, die selbst kein Text in lateinischer Schrift sind, um die kurzen Botschaften noch genauer machen zu können. Ebenso kann die Plattform dazu genutzt werden, um Bilder, Videos oder GIFs mit Anderen zu teilen.

Das Problem für viele Blinde und Sehbehinderte Anwender_innen liegt darin, dass einige Menschen die von Twitter gebotenen Funktionen nicht oder falsch einsetzen, und somit die Barrierefreiheit des sozialen Netzwerks teilweise einschränken. Für Bilder bietet Twitter sogar die Möglichkeit, Bildbeschreibungen bzw. Alternativtexte zu verfassen. Diese Funktion muss allerdings in den Twitter-Einstellungen explizit aktiviert werden, was auf iOS folgendermaßen und auf den anderen Plattformen sehr ähnlich anzustellen ist:

In der Account- und Profil-Übersicht: Tipp auf "Einstellungen und Datenschutz". Dann, wähle Menüpunkt "Barrierefreiheit". Option "Bildbeschreibungen verfassen" unter Überschrift "Sehvermögen" aktivieren.

Kurze und präzise Bildbeschreibungen bei Postings mit Medieninhalten helfen, die Botschaft eines Tweets besser zu verstehen. Die Beispiele aus der Timeline des BSVH-Geschäftsführers und blinden Heiko Kunert, welche er diese Woche auf dem Account @54Kontraste (Followempfehlungen!) veröffentlicht hat, verdeutlichen das:

  • Die Polizei bittet um Ihre Mithilfe. Bild
  • Deutsche wollen keine Bäcker werden… Bild
  • Sorry guys, but this is…shit Bild

Alle diese Tweets tragen zusätzliche Informationen, die uns Screenreader-Nutzenden gänzlich verborgen bleiben, in den angehängten Bildern. Würden Redaktionen und auch Privatpersonen die von ihnen veröffentlichten Bildmaterialien beschreiben, wäre Twitter für uns schon ein gutes Stück barrierefreier. Wie man die entsprechende Option dafür aktivieren kann, habe ich ja schon gezeigt.

Ein weiteres Hindernis auf Twitter sind Nutzer_innen, die sehr viele Emoji in einer Nachricht oder gar ihren Anzeigenamen verwenden. Jeden einzelnen davon immer wieder aufs Neue in seiner vollständigen Bedeutung vom Screenreader vorgelesen zu bekommen, raubt unheimlich viel Zeit. Wieder ein Beispiel:

“😂😂😂😂” wird zu “Gesicht mit Freudentränen Gesicht mit Freudentränen Gesicht mit Freudentränen Gesicht mit Freudentränen”

Was visuell vielleicht ästhetisch ist, ist für uns also eher nervig und Zeitverschwendung. Dasselbe gilt für Emojis in Anzeigenamen bei Profilen: In längeren Threads oder bei Erwähnungen werden diese uns immer wieder vorgelesen und irritieren. Liebe Sehende, benutzt Emojis, aber nicht zu viele und wenn irgendwie möglich nicht in euren Nutzernamen. Haltet eure Namen wie auch eure Tweets kurz und Aussagekräftig!

Obwohl wir Emoji lesen können, gibt es andere Unicode-Schriftzeichen, die von einigen Nutzer_innen zur “Verzierung” ihres Profils und ihres Tweets genutzt werden. Diese sind aber sehr häufig nicht für die Nutzung als Text gedacht, weshalb die meisten Screenreader diese Überspringen und überhaupt nicht vorgelesen werden.

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Visuell sehr hübsch, aber die Information “Nwng” geht für Screenreder-Anwendende vollkommen unter. “🐰 🎀 𝒩𝒲𝒩𝒢 🎀 🐰” ist noch ein weiteres Beispiel.

Würden alle Nutzer auf den “Luxus” von Schnörkelschriften verzichten und ihre Medieninhalte angemessen mit Beschreibungen und Untertiteln versehen, wäre Twitter für uns Blinde und Sehbehinderte fast vollständig barrierefrei nutzbar und damit wirklich inklusiv. Deshalb bitte ich alle Leser dieses Blogeintrags, die genannten Punkte zu verinnerlichen und auf dem eigenen Account in die Tat umzusetzen! Falls Fragen aufkommen, stehen ich und viele andere davon Abhängige Menschen auf Twitter sehr gerne Rede und Antwort.