Vorweg: Für mich persönlich war es schon immer ein großer Wunsch, einmal eine Quiz-Show auf größerer Bühne auszurichten. Ich bin leidenschaftlicher Quizzer und Quizshow-Fan und konnte meinen Traum jetzt endlich beim 36c3 in Leipzig in die Realität umsetzen. Ohne die tatkräftige Unterstützung von vielen Menschen hätte ich das aber niemals hinbekommen. Vielen Dank euch allen, ganz besonders an n0emis, den mit dem Zopf, Julia, Xyrill, guenther, Lena, Julian und Xenia - und allen 8 Teilnehmenden beim Congress! Ich hoffe, ich kann auch nächstes Mal wieder auf eure Unterstützung zählen - ihr wart alle krass großartig und wir haben es geschafft, knapp zwei Stunden lang Unterhaltung auf die Bühne zu bringen! Darauf bin ich sehr stolz.

Dieser Artikel soll eine kleine Zusammenfassung von all den Dingen sein, die besonders auffällig und aufwendig waren. So eine Show auf die Beine zu stellen ist wahnsinnig viel Arbeit: Was wir hier gemacht haben, gab es vorher nicht. Es gibt /keine/ Fan-Events des Formats in unserem Ausmaß, es gab keine Software unserer angestrebten Qualität und Praktikabilität und es gab keine öffentlich dokumentierten Erfahrungen damit, wie es eigentlich ist, eine Gameshow auf einem der größten und einflussreichsten, zivilgesellschaftlichen Kongressen unserer Zeit zu veranstalten. Wir haben wirklich komplettes Neuland betreten und alles von Grund auf neu durchdacht, neu ausgearbeitet und neu entwickelt. Und das ist uns - für einen ersten Durchlauf - sehr gut gelungen. Meine Meinung.

Was wenig auffällt, wenn man sich die Aufzeichnung der Show ansieht, ist, dass hinter dem gesamten Projekt mehrere Monate teils sehr intensive Arbeit stehen. Insbesondere die unvollständige Software ließ bei unserem ersten Durchlauf alles noch sehr unprofessionell und chaotisch wirken - zum nächsten Mal können wir das aber besser machen, denn wir haben alle wichtigen Log-Daten gespeichert und auch jetzt mit der Aufzeichnung die Möglichkeit, alle Fehler im Detail aufzuarbeiten. Außerdem haben wir alle Prozeduren und Abläufe bereits im Vorfeld genauestens dokumentiert und erarbeitet, damit wir passende Regelungen für jede Situation haben. Auch diese werden wir jetzt weiter aufarbeiten.

Das Format “Gefragt - Gejagt” ist vergleichsweise anspruchsvoll, da es schlecht vorhersehbar ist und viele Ressourcen benötigt: Sowohl menschliche, als auch technische. Bei der Erstdurchführung haben wir allein mit sechs Personen die Aufzeichnung und die Spieltechnik bedient; zwei Personen (Moderatorin und Jäger) waren kontinuierlich auf der Bühne im Einsatz und haben die ganze Show getragen, und acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben das ganze Spektakel überhaupt erst möglich gemacht. Daneben gab es noch zwei hervorragende Simultanübersetzer und einen wirklich sehr sehr freundlichen Stage-Manager, der uns in allen Belangen unterstützt hat. Neunzehn Personen also, die auf irgendeine Art und Weise direkt beteiligt waren. Und das schließt noch nicht diejenigen mit ein, die vorher in der Planung mitgeholfen und nachher Feedback gegeben haben. Und dann gab es noch mich, der zwar im Vorhinein versucht hat, alle Abläufe aufeinander abzustimmen und Teilnehmende sowie Funktionsträger zu briefen und offene Fragen zu beantworten, während der Show aber nur mehr verzweifelt auf dem Boden lag und sich gewünscht hätte, alles ungeschehen zu machen. Es ist nicht ohne, wenn man sich so viel Arbeit macht und dann während einer Live-Übertragung ins Internet und vor einem Live-Publikum von wahrscheinlich über 100 Zuschauerinnen und Zuschauern vieles von dem schiefgeht, was hätte schiefgehen können. Erst recht, wenn du Personen im Publikum feststellst, die bereits hohe Erwartungen geäußert haben, die du eigentlich nicht enttäuschen wolltest. Oder die Hosts des Hacker Jeopardy, Sec und Ray, die schon seit vielen Jahren selbst eine Quiz-Show ausrichten und die in dieser Hinsicht bereits sehr viel Erfahrung aufbauen konnten.

Probleme gab es, wie bereits erwähnt, wie Sand am Meer. Hauptsächlich waren das aber Dinge wie ein ungenutzter Apple Pencil, dessen Akkustand niedrig wurde, ein instabiles Netzwerk oder fehlendes visuelles oder auditives Feedback für die Personen auf der Bühne. Alles Dinge, die wir im Vorfeld nicht bedacht haben und die in etwaigen Tests nicht aufgefallen sind. Für das nächste Mal wissen wir: Alle Geräte per Kabel in das Netzwerk hängen und sie mit Strom versorgen. Feedback aus der Software ist der Schlüssel zu einem reibungslosen Ablauf und zum Verständnis für das Publikum. Issues dazu sind nun im Bugtracker der quelloffenen Software eröffnet und werden bis zum nächsten Mal behoben.

Auch die Fragenauswahl war nicht ganz leicht, gerade weil wir, wie wir es getan haben, ein junges Publikum aus Kindern und Jugendlichen auf einer Fachkonferenz ansprechen wollten. Hier war es ganz besonders wichtig darauf zu achten, die Fragen auszubalancieren - sowohl um schwierigere mit einzuschließen, die auch für unseren Jäger eine Hürde darstellen, als auch einfachere, um Erfolge zur Motivation und zur Unterhaltung von vor allem Jugendlichen generieren zu können, damit auch im Publikum munter mitgeraten werden kann. Diese Qualität ist maßgeblich für den Unterhaltungsfaktor einer Quizshow. Was bei uns noch dazukam, war die Wahl eines geeigneten Jägers. Schon meine ersten Gedanken dazu kreisten um den Namen, der uns auch schlussendlich zugesagt hat: Xyrill, der Gewinner des Hacker Jeopardy auf dem 34c3. Er passt in diese Rolle wie Faust aufs Auge. Sein großer Wissensschatz, seine guten Erklärungen und seine witzige - ich zitiere aus YouTube-Kommentaren “cringige” - Art tragen zur Unterhaltung in herausragender Weise bei, indem sie einen starken und einschüchternden, aber auch sehr sympathischen und lustigen Gegner portraitieren. In Retrospektive muss ich dringend anerkennen, dass er sogar aus Situationen mit technischen Schwierigkeiten, oft gemeinsam mit unserer Moderatorin Julia, durch freche Sprüche die entstandenen Lücken unterhaltsam gefüllt und damit die Show gerettet hat. Vielen Dank, das war erste Sahne!

Verglichen mit einem Hacker Jeopardy bietet das Format sehr wenig Spielraum, bspw. kann es aus Gründen der Kontinuität und der Geschwindigkeit nur von einer einzigen Person moderiert werden. Außerdem sind Fragen zu Bildern und Geräuschen undenkbar, da vor allem die Runden mit Zeitbegrenzung nicht erlauben, diese aufwändiger zu rezipierenden Inhalte angemessen zu beantworten. Auch die schiere Anzahl der benötigten Fragen machte Probleme, da wir schlicht nicht wissen können, wie viel Backup eine Runde benötigt - die Spielenden und der Jäger hatten völlig verschiedene Reaktionszeiten und in der Jagdrunde kann es passieren, dass mehrere Fragen von beiden Seiten falsch beantwortet werden und es daher für einige Zeit keinen Fortschritt gibt. Dabei musste außerdem auch immer beachtet werden, die Fragen möglichst abwechslungsreich zu halten und eine große Spannbreite an Themen abzudecken - man kann nicht alles wissen, und Interessen konzentrieren sich oft nur auf einen kleinen Bereich. Fünf Fragen und fünf Kategorien, wie sie im Hacker Jeopardy gespielt werden, sind einfach nicht genug für unser Spiel. Am Ende hatten wir über zwanzig High-Level-Kategorien, die man ohne weiteres hätte in weitere Jeopardy-ähnliche Unterkategorien hätte einteilen können, und knapp über 370 spielbare Fragen - mit einem Beitrag von etwa 45% aus der Community und dem erweiterten Team, und circa 55% von mir selbst. Danke an alle Einreichenden!

Alles in allem war das Projekt aber eins meiner absoluten Highlights auf dem 36. Chaos Communication Congress und ich freue mich schon darauf, es bald zu wiederholen! Probleme hin oder her - die Show zu organisieren und dann auch durchzuführen hat wirklich sehr viel Spaß gemacht und war extrem lehrreich für mich. Für weitergehendes, konstruktives Feedback bin ich und das restliche Team wirklich dankbar - gerne über die bekannten Kontaktwege.

Update: Ein paar Tage nachdem ich den Artikel online gestellt habe fiel mir auf, dass ich die harte Arbeit von n0emis und dem mit dem Zopf nicht ansatzweise so gewürdigt habe, wie sie es verdient hätten. Die beiden waren maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Show stattfinden konnte, in jeglicher Hinsicht - seien es die kleinen Preise, die komplette Software oder das ganze Bühnensetup. Es war mir ein Vergnügen, mit euch beiden zu arbeiten und Dinge zu erschaffen. Ich danke euch von ganzem Herzen für alles, was ihr für das Projekt und für mich getan habt! Das ist nicht selbstverständlich. Ich freue mich auf die kommenden Events! Ein weiteres großes Dankeschön geht auch an Daniel und Robert von Jugend hackt, die uns die Durchführung in der WikipakaWG ermöglicht haben - inklusive allen Extrawürsten und jeder weiteren Unterstützung. Außerdem möchte ich gesondert noch mal Julia für ihren Einsatz und die tolle Moderation danken - ohne sie wäre es nicht dasselbe!

Wie bereits zuvor angekündigt stellen wir auch die gespielten 206 Fragen als Open Data unter CC0-Lizenz zur Verfügung. Viel Spaß damit ;)